Villa Armira, Ivajlovgrad

Share on facebook

Eines der interessantesten Denkmäler aus der Epoche des Römischen Reichs – die Villa „Armira” – befindet sich in Südbulgarien, 4 km südwestlich von Ivajlovgrad entfernt.
Im Jahr 1964, während des Baus eines Stausees, stießen die Mauerer zufällig auf die Spuren eines antiken Gebäudes. Bei den anschließenden archäologischen Ausgrabungen wurden die Ruinen einer Stadtrandvilla aus der Periode der römischen Herrschaft auf unseren Gebieten entdeckt. Sie wurde unter dem Namen Villa „Armira” bekannt, genannt nach einem kleinen Fluss, Nebenfluss des Arda-Flusses, an dessen Ufer sie errichtet wurde.
Die Villa ist luxurös, mit einem bemerkenswerten Planschema, einer prächtigen Marmorverzierung und originalen Bodenmosaiken. Sie ist einer der frühesten und am genausten datierten Villenkomplexe aus römischer Zeit, erforscht bislang in Bulgarien, und das reichste private Schloss aus dieser Zeit, entdeckt auf den heutigen bulgarischen Gebieten. Ein namhafter thrakischer Adliger ließ sie in der zweiten Hälfte des I Jhs.n.Chr. als Zentrum eines großen Bodeneigentums im Tal des Flusses Armira bauen. Auf einer Fläche von 3 600 m², mitten in einem schönen Spaziergarten, erhob sich ein beeindruckendes zweistöckiges Wohngebäude mit einer Panoramaterasse und einer wesentlichen Zahl von Räumlichkeiten, die in der Form des kyrillischen Buchstaben „П” ein Schwimmbecken in der Mitte umsäumten. Nur im ersten Stockwerk zählten die Räume 22.
Im Laufe der Zeit wurde die Villa eng für ihre Eigentümer und Anfang des III. Jhs. wurde sie östlich durch den Aufbau eines geräumigen Gästesaals (Triklinikum) und dazugehöriger Nebenräume erweitert. In einem Teil des Gebäudes gab es eine römische Heizanlage (Hypokaust), deren Spuren heute noch erkennbar sind.
Bereits in der ersten Hälfte des II. Jhs. wurde in der Villa Armira ein Atelier für die Kunstbearbeitung des in ihrer Umgebung gewonnen weißen Marmors gebaut. Meister aus der Stadt Afrodisia in Kleinasien, bekannt durch die weltweit größte Skulpturschule aus römischer Zeit, wurden eingeladen, hier zu arbeiten. Dank ihnen erlangte die Villa allmählich den Glanz und die Pracht eines richtiges Schlosses vom Römischen Reich.
Das ganze erste Stockwerk war mit vollkommen ausgearbeiteten Marmorplatten- und Leinen gefliest. Sie bedeckten die Wände der Korridore und alle präsentablen Räumlichkeiten vom Boden bis zur Decke, sowie das Schwimmbecken selbst, das durch eine Mauerkolonnade und einen schönen Zaun umgeben war. Bei den Ausgrabungen wurden fast 3 000 Marmorfragmente in einem sehr gut erhaltenen Zustand entdeckt.
Hinsichtlich des Umfangs, der Vielfalt und der Eigenschaft der Marmorverzierung bleibt die Villa Armira das einzige Denkmal derart nicht nur auf den heutigen bulgarischen Gebieten, sondern auch innerhalb der ehemaligen römischen Provinzen auf dem Balkan, und ihre Wanddekoration macht aus ihr ein einzigartiges Denkmal der antiken Architektur und Kunst.
Die Böden von allen Räumlichkeiten und Korridoren waren mit hoch kunstvollen Mosaiken bedeckt, verziert mit für die antike Malerei traditionellen Motiven. Besonders wertvoll ist das Mosaik vom Herrscherschlafzimmer, in dessen Nordende ein Porträt des Eigentümers in der ersten Hälfte des II. Jhs. mit seinen beiden Kindern gemeißelt ist- die einzigen Mosaikporträts aus römischer Zeit, die bislang in Bulgarien entdeckt wurden.
Vom besonderen Interesse ist ebenso das spätere Mosaik vom Triklinikum (Anfang des III. Jhs.), mit einer Abbildung von Medusa Gorgone – ein Symbol, das mehrfach in der Dekoration der Villa auftritt. Das ist der größte hinsichtlich der Menge und der Vielfalt Mosaikfund in Bulgarien, der hinsichtlich des Umfangs alle weiteren Mosaiken übertrifft, die auf den heutigen bulgarischen Gebieten entdeckt wurden.
Nach der Blütezeit von circa 300 Jahren wurde die Villa Armira in der zweiten Hälfte des IV. Jhs. niedergebrannt und geplündert. Die Zerstörung wird mit der großen Verwüstung der Gegend von Adrianopolis im Jahr 378 in Verbindung gesetzt, als die römische Armee unter dem Kommando des Kaisers Valentin (364 – 378) von den Goten zerschlagen wurde.
Die Villa wurde in der Nummer 67 des Amtsblattes von 1968 zum Architekturdenkmal erklärt.

Virtuelle Karte​

Fotos​

©Alle auf dieser Website veröffentlichten Bilder, Werbe- und Videomaterialien und / oder sonstigen Informationen sind Eigentum des Tourismusministeriums und durch das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte sowie alle für die Republik Bulgarien geltenden internationalen Gesetze sowie die einschlägigen Rechtsakten der Europäischen Union geschützt.